Als du die St.-Georg-Kirche erreichst, ist es ruhig. Der Platz wirkt fast abgeschottet vom restlichen Stadtleben. Vor dem Portal steht Pfarrer Guido Kronfeld und wartet bereits. Neben ihm lehnt ein Mann an einer Säule, die Arme verschränkt, der Blick immer wieder unruhig in deine Richtung: Rocco Maldano.
Der Pfarrer tritt dir freundlich entgegen.

Pfarrer Kronfeld: „Gut, dass Sie gekommen sind. Man hat mir gesagt, Sie würden sich melden. Ich bin kein Ermittler, verstehen Sie, aber in dieser Stadt sprechen die Menschen miteinander. Und in meiner Position als Pfarrer werden mir Dinge anvertraut, die nicht jeder erfährt.“
Er wirkt ernst, aber nicht nervös. Rocco hingegen vermeidet deinen Blick.
Pfarrer Kronfeld: „Ich weiß, dass Sie in einer heiklen Angelegenheit ermitteln. Mir ist bewusst, dass Sie mir nicht sagen dürfen, wie der Stand ist. Aber erlauben Sie mir eine Frage: Haben Sie inzwischen einen konkreten Verdacht?“
Du antwortest ausweichend, machst aber deutlich, dass sich der Verdacht zunehmend auf eine Person konzentriert, die sich zur Tatzeit im oder am LernWerk aufgehalten haben könnte.
In diesem Moment verändert sich Roccos Haltung merklich. Seine Schultern spannen sich an, sein Atem wird flacher. Er schaut dich nun direkt an.
Rocco Maldano: „Im LernWerk…? Also… rein hypothetisch… wer soll das denn gewesen sein?“
Der Pfarrer beobachtet ihn kurz, sagt aber nichts. Stattdessen greift er in seine Jackentasche.
Pfarrer Kronfeld: „Bevor wir weiterreden – eine Frau aus meiner Gemeinde hat mich gebeten, Ihnen das hier zu geben. Sie sagte, es sei wichtig. Sehr wichtig. Sie hätte sich schuldig gemacht, aber sie könne nicht damit leben, wenn ein Unschuldiger falsch verdächtigt wird. Ich habe den Zettel nicht gelesen.“
Er reicht euch einen zusammengefalteten Zettel. Während ihr ihn öffnet, wird Rocco sichtbar nervöser.
Auf dem Zettel steht, sauber und überlegt geschrieben:

„Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass eine unschuldige Person unter falschen Verdacht gerät. Was ich Ihnen nun mitteile, lässt mich nicht gut dastehen, aber jeder Mensch hat seine Laster. Manche sind moralisch verwerflich, aber nicht strafbar. Johannes Beck war zur fraglichen Zeit nicht im Rathaus. Er war bei mir. Er hat die Zeitjournale manipuliert, um seine Affäre zu verbergen. Bitte behalten Sie das für sich. Seine Frau darf davon nichts erfahren. Er hat einen Ruf zu verlieren. Er ist eigentlich kein schlechter Mensch.“
Einen Moment lang sagt niemand etwas.
Rocco starrt auf den Zettel, dann auf dich. Sein Gesicht ist blass und er murmelt vor sich hin.

Rocco Maldano: „Unschuldige Person … unter falschem Verdacht… moralisch verwerflich” dann wendet er sich direkt an dich: „Verdächtigen Sie… Juliana?“
Als du – vorsichtig – bestätigst, dass du davon ausgegangen bist, dass Juliana zur Tatzeit im LernWerk gewesen sein könnte, bricht etwas in ihm. Er stößt die Luft aus, fährt sich mit der Hand durchs Gesicht.
Rocco Maldano: „Nein. Nein, das stimmt nicht. Sie war es nicht. Juliana hat nichts damit zu tun. Ich sag’s Ihnen. Ich kann das nicht mehr… Juliana und ich treffen uns dort regelmäßig. Nicht wegen der Arbeit. Wegen mir. Wegen… Problemen. Dinge, über die ich mit sonst niemandem reden kann. Auch gestern. Wir sind zusammen rein. Und wir sind zusammen wieder raus. Sie hatte keine Gelegenheit, irgendetwas zu platzieren. Keine. Wenn jemand zu der Zeit den Drohbrief im LernWerk deponiert hat, dann nicht sie.“
Er blickt dich eindringlich an.
Rocco Maldano: „Bitte. Behalten Sie das für sich. Ich… ich bin noch nicht so weit, dass das jemand weiß. Ich bin… nicht der, für den mich die meisten halten. Ich komme ins LernWerk, weil es einer der wenigen Orte ist, an denen ich reden kann, ohne beobachtet zu werden. Juliana hört zu. Sie bewertet nicht. Sie zwingt mich zu nichts. Ich rede online jeden Tag davon, was ‚ein richtiger Mann‘ ist. Stärke. Dominanz. Kontrolle. Und gleichzeitig… Ich bin schwul. Und das darf niemand wissen. Nicht meine Follower, nicht meine Kooperationspartner, nicht die Leute, die mir schreiben, weil sie glauben, ich wäre ihr Vorbild. Wenn das rauskommt, ist alles weg. Mein Einkommen. Meine Reichweite. Mein ganzes Leben, so wie es gerade ist. Ich habe mir dieses Image gebaut, weil ich dachte, es schützt mich. Aber es hat mich nur immer weiter eingeengt. Juliana war gestern bei mir. Die ganze Zeit. Sie hat mir zugehört, während ich versucht habe, mir selbst zu erklären, warum ich so lebe, wie ich lebe. Sie war nicht allein im LernWerk. Und sie hat nichts getan. Bitte. Behalten Sie das für sich. Nicht, um mich zu schützen – sondern weil ich noch nicht weiß, wie ich damit leben soll, wenn es alle wissen.“
Der Pfarrer senkt leicht den Blick, sagt aber nichts. Er scheint zu verstehen, dass hier etwas ausgesprochen wurde, das viel Überwindung gekostet hat.

Sollte das stimmen, ergibt es ein ganz neues Bild.

Das folgende Rätsel weist dir deinen weiteren Weg:

Im Spiel der Könige, wo Figuren sich auf Feldern drehen,
Zwei Farben herrschen, die niemals vergehen.

Blick nicht nach vorn, dreh dich um im Stillen,
Was hinter dir liegt, kann mehr enthüllen.
Achte genau auf das, was Stein dir zeigt,
Nicht kaltes Metall, das trügerisch schweigt.

In der Nähe findest du zwei Dinge, die diese Farben tragen,
Die eine gibt den Startschuss, mit ihr kannst du es wagen.
Schau auf das Passende, mit kleinen Zeichen,
Drei Symbole, die still sich gleichen.
Bist du dir sicher, was du gefunden,
sind sie doch eng mit der wichtigsten Figur verbunden.


Die Symbole sind …

Hintergrundinformation – Glaube

Pfarrer Kronfeld ist ein Mann der Kirche. Doch wie sieht es eigentlich aus im Bereich
Glaube, Religion und Queerness? Infos dazu findest du hier: